Offenbare Unrichtigkeiten

Schreibfehler, Rechenfehler und ähnliche offenbare Unrichtigkeiten, die beim Erlass eines Steuerbescheids / Verwaltungsakts der Behörde unterlaufen, kann diese jederzeit berichtigen (§ 129 Satz 1 AO). Der Steuerpflichtige kann bei berechtigtem Interesse eine Berichtigung verlangen (§ 129 Satz 2 AO); dieser Antrag ist nicht an eine Frist gebunden. Unter offenbaren Unrichtigkeiten sind nur mechanische Fehler zu verstehen, also Fehler, die auf einem gedankenlosen Vertun beruhen, wie Vertauschen, Verrechnen, Verwechseln, falsch übertragen usw. Fehler aus dem Bereich des Denkens, Überlegens, Schlussfolgerns sowie fehlerhafte Sachverhaltsermittlung oder fehlerhafte Gesetzesanwendung gehören nicht dazu. Die Unrichtigkeit ist offenbar, wenn sie auf der Hand liegt, also augenfällig und eindeutig ist (BFH v. 29.01.2003, BFH/NV 2003, 1139). Ein Fehler, der erst ermittelt werden muss, ist nicht offenbar. Deshalb sind z.B. nur mechanische Rechenfehler im Bereich der Grundrechenarten und des Prozentrechnens offenbare Unrichtigkeiten, nicht Fehler bei mathematischen Formeln oder schwierigen Rechenoperationen.